Geplante Wanderreittour mit Keks und Krümel ca. 2000km von Sizilien nach Leipzig (28.01.2019 – 15.02.2019)

 

Ursprünglich war mein Vorhaben, von Sizilien aus nach Leipzig auf den Spuren von Goethe zu reiten.

Dafür hatte ich geplant, in Sizilien von Catania aus nach Messina reiten, dann mit der Fähre nach Kalabrien überzusetzen und den Apennin mittig von Süden nach Norden zu durchqueren. Als Krönung der Tour wollten wir die Alpen im Großglockner Gebiet bezwingen und anschließend durch das wunderbare Österreich und bis nach Leipzig vorankommen. Eine sehr spannende Tour, für welche ich im vergangenen Jahr die Pferde Keks und Krümel gekauft hatte und in jeder freien Minute trainiere. Die Route war beinahe fertig geplant, die Themen Pferdefutter und Unterbringung beinahe gelöst. Nur der Transport der Tiere nach Sizilien war noch offen. Und dann kam die Diskussion mit italienischen Freunden. Warum die Diskussion? Man möchte ja ein wenig mehr über Land und Leute und die Gepflogenheiten erfahren. Freunde von mir sind aus Kalabrien und Kalabrien wäre Teil der geplanten Route. Monatelang beknieten mich die Freunde, von diesem Plan Abstand zu nehmen. Deren Argument ist, Kalabrien sei mafiös und für einen einzelnen Reisenden mittlerweile sehr gefährlich, da viele Menschen arm sind. Sie befürchten, dass ich ausgeraubt oder meine Pferde gestohlen werden.

Nach endlosen Diskussionen und Abwägen der Risiken habe ich mich überzeugen lassen. Aussagen der Freunde, du musst zumindest eine „Schrotflinte“ dabei haben, haben mich nachdenklich werden lassen. Ich als Österreicher mit Schusswaffe im fremden EU-Land, welcher in vermeintlicher „Notlage“ schießt und vielleicht auch trifft, das ist mir doch zu riskant. Schließlich liebe ich meine Freiheit und nicht die gesiebte Luft hinter Gittern. Derweil ich jetzt diese Zeilen schreibe,  bin ich doch nach wie vor ein wenig traurig, dass ich umdisponiert habe. Sizilien, Kalabrien, durch den Apennin, bei Heiligenblut nach Rauris – Großglockner Gebiet – über die Alpen, dieses Vorhaben hatte mich schon begeistert und einen starken Reiz auf mich ausgeübt.

Über die Alpen von Heiligenblut nach Rauris sind 1500 Höhenmeter zu überwinden auf einer Distanz von 32km, das wäre eine tolle Herausforderung. Dass ich jetzt umplane, liegt auch am fehlenden Transport. Leider konnte ich keine Firma finden, welche meine Pferde nach Süden gebracht hätten, wobei nicht einmal eine bestimmte Stadt anzuvisieren gewesen wäre. Gut, nun sitze ich mit einer geänderten Vision und einem halbfertigen Plan in der Tasche am Schreibtisch und überlege, wie ich diesen Plan kommuniziere. Die neue Route führt mich von Leipzig quer durch Deutschland und Frankreich nach Barcelona. Geplant sind Tagesetappen von ca. 30km, das sind je Pferd 15km mit mir als Reiter auf dem Rücken. Zu Beginn der Tour würde das bedeuten, dass ich einmal am Tag das mitgeführten Gepäck , welches max. 60 kg haben wird, von einem Pferd auf das andere Umpacken muss. Solange, bis sich die Pferde daran gewöhnt haben, mich eine ganze Tagestrecke zu tragen.

Damit das alles klappt, habe ich nun das Reiten mit Handpferd im Trainingsprogramm . Dabei stellt sich heraus, dass Krümel als Führender mit Keks im Schlepptau sehr gut funktioniert. Mit Keks als Führpferd ist es ein wenig schwieriger, denn Keks geht noch immer nicht sauber am Einhandzügel. Da muss ich noch Einiges an Übungseinheiten reinstecken. Nun gut Freunde, im nächsten Blog werde ich die Route bekannt geben. Eines kann ich bereits jetzt verraten, die Tour dauert im Minimum 60 Tage ohne Pause für Pferde und Reiter. Mal sehen, wer früher Ruhe benötigt?

VG

Kurt

Keks und Krümel im Schlepptau für 18km (14.01.2019 – 27.01.2019)

Zwei beste Freunde.
Krümel, aufgesattelt
Keks mit Wanderreit-Halfter

Es ist nicht so, dass wir mit Keks und Krümel im Schlepptau nur durch die Heide und Wälder pirschen, jedoch war in den letzten Tagen das Wetter so unbeständig, Eis, Regen, Tauwetter, dass an Reiten mit den unbeschlagenen Tieren nicht zu denken war. Der tiefgefrorene Boden trügerisch und gefährlich. Sogar beim Spazierengehen sind die Tiere im Wald auf leicht abschüssigen Flächen ausgerutscht, was aber ohne Reiter kein Problem darstellte.

In der Zeit vom 14.01.2019 an war ein beinahe tägliches Trainingsprogramm Kommando: „gib Huf“, daher den entsprechenden Huf freiwillig heben oder bereits von sich aus anheben, wenn man danebensteht.

Diese Übungen funktionieren bei nahezu perfekt. Je nach Tagesverfassung sofort beim Kommando oder bereits, wenn man am entsprechenden Bein steht. Dabei gibt es eine bemerkenswerte Marotte von Krümel. Krümel verweigert, wenn man links vorne beginnt. Mit zuerst links Hinten und dann Vorne klappt es bestens. Keks ist der Schlaue. Er ist gelehrig und doch nicht. Gib Huf geht perfekt, das Aufsteigen klappt nicht auf Anhieb. Nachdem Aufsatteln ist alles in Ordnung. Sobald die Trense im Maul ist, ändert sich sein Verhalten.

Aus zum Reitplatz, dann Nachgurten, Wohlfühlzone einrichten, Keks in die Position stellen, die Aufsteighilfe positionieren, alles OK. Keks steht felsenfest. Sobald ich mich seitlich der Aufstiegshilfe nähere, beginnt Keks, nicht abrupt, sondern mit kleinen Schritten, sich langsam nach hinten zu bewegen. Somit ist die Position für mich als Reiter in den Steigbügel zu steigen nach hinten gerutscht. Das Spiel beginnt von vorne. Positionieren, auf die Aufsteighilfe steigen und Keks steht weiter hinten. Da hilft kein Leckerli, keine Wohlfühlzone, kein gut zureden. Es hilft u.U. Keks lange am Hals kraulen, streicheln. Ein Klapps auf den Hintern ist wirkungslos. Mit der Gerte drohen, diese nur in die Höhe zu halten treibt Keks sofort zur Flucht, was mir zeigt, dass Keks von seinem Vorbesitzer öfters kräftig vermöbelt wurde. Die Lösung fürs Aufsteigen ist daher Vertrauen schaffen und ständiges Wiederholen, solange bis es klappt. Bei Krümel ist es gänzlich anders. Hinstellen, loben, liebkosen und aufsteigen. Das klappt und wenn er dann noch ein Leckerli bekommt, ja dann scheint er glücklich zu sein.

Nach den Aufsteigübungen und einigen Runden reiten folgt Bodenarbeit, dabei liegt der Schwerpunkt auf Vertrauen in den Reiter, Nachahmen, Nachlaufen. Was versteh ich darunter? Meine Vierbeiner müssen mir beinahe blind über Hindernisse folgen, ohne Scheu Engstellen passieren, durch unbekannte Wasserstellen laufen. Mit anderen Worten, immer hinter mir her, ohne dass ich am Führstrick zerren muss. Das klappt im Viereck sehr gut, da es bei erfolgreichen Übungen Leckerli gibt. Dabei muss ich aufpassen, dass beide Pferde gleichermaßen gelobt und bedacht werden. Man glaubt es kaum, die sind, was Leckerli angeht, eifersüchtig und starten auch schon mal einen „Schaukampf“.

Jedoch verhält sich Keks beim Spazieren gehen völlig anders. Er muss ständig vor mir, sprich der Erste sein. Ihr könnt Euch damit vorstellen wieviel Mühe es kostet 18km mit Keks im Schlepptau zu gehen.

 

Liebe Leser, viel Spaß bis zum nächsten Mal.

 

Kurt